Von der Gründung bis zur Säkularisation

Der Name „Seshoibit“ stand bereits zur Gründungszeit des Klosters Benediktbeuern 740 in dessen Besitzurkunden, allerdings nur als Flurname, der die geographische Lage am „Haupt des Sees“ bezeichnete. Den ersten bekannten Nachweis für das Dorf findet man in einer Schenkungsurkunde aus dem Kloster Schäftlarn. Sie wurde „am zweiten Tag nach der Oktav der Heiligen Agnes 1257 in Villa Seshoupten“ ausgefertigt. Der malerisch am See gelegene Weiler Seeseiten ist bereits 1090 im Benediktbeurer Kodex beschrieben. Die damals zehn Anwesen unterstanden Adalbero von Sesitten.

 

Eins der ältesten Zeugnisse aus Seeshaupts Geschichte steht am Dampfersteg, die "Seegerichtssäule" mit der Jahreszahl 1522 und dem schräg gestellten Fisch. Diese Darstellung ist das Vorbild für das heutige Gemeindewappen. Die Steinsäule könnte einst ein Grenzstein zwischen den Zuständigkeiten des Seegerichts Starnberg und des Landgerichts Weilheim gewesen sein, es gibt aber bislang keine Urkunde, die diese Vermutung bestätigt.

 

Seeshaupt war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein armes Fischer- und Bauerndorf. Lediglich der Wirt (heute Seeresidenz Alte Post), die Mühle (Hotel The Starnbergsee) und der Fischhändler Doll verfügten über ausgedehntere Besitztümer. Alle anderen größeren Bauernanwesen lagen damals in den umliegenden Weilern und in der 1978 eingemeindeten Gemeinde Magnetsried-Jenhausen.

 

Die Ursprünge der Pfarrkirche liegen im Dunkeln. Der älteste Teil der heutigen St. Michaelskirche ist die Anna-Seitenkapelle, sie stammt aus dem frühen Mittelalter. Zwischen 1485 und 1487 wurde die Pfarrkirche im gotischen Stil angebaut. Ihre jetzige Gestalt erhielt sie im Jahr 1909 mit dem Anbau des großen Langhauses.

 

Bis zum Jahr 1353 gehörte Seeshaupt zur Pfarrei Etting bei Weilheim, anschließend zum Kloster Polling und von 1479 an zum Augustinerchorherrenstift Bernried. 1803 wurde Seeshaupt im Zuge der Säkularisation eine selbständige Pfarrei mit insgesamt 556 Seelen, zu der nun auch Magnetsried, Jenhausen und St. Heinrich zählten. Der Seeshaupter Pfarrhof entstand 1808, im Erdgeschoss gab es ein Schulzimmer. Erst 1858 wurde ein eigenes Schulhaus gebaut.

 

 

Schenkungurkunde von 1257
St. Michael 1811

1815 Dorfbrand und Wiederaufbau

Am 31. März 1815 brach in der Küche der Tavernwirtschaft Sanktjohanser (Seeresidenz Alte Post) beim Schmalzkücherl-Backen ein Brand aus, der sich – angefacht vom starken Ostwind – rasend schnell in der Dorfstraße ausbreitete. Das Feuer vernichtete 29 der 42 dicht an dicht stehenden Anwesen, sogar der Kirchturm brannte und die Glocken schmolzen. So tragisch die Brandkatastrophe für die Dorfbewohner auch war, letztlich hatten sie doch Glück im Unglück: Durch den Einsatz des Weilheimer Landrichters Theobald von Thoma und dem planerischen Weitblick des Königlichen Baurats Gustav Vorherr wurde das Dorf rasch und nach modernen Gesichtspunkten wieder aufgebaut. Bis zum Winter hatten alle „Abbrändler“ ein Dach über dem Kopf. Die neuen Häuser standen mit ihren schmucken Vorgärten entlang einer geraden, breiten Vizinalstraße, die Dunghaufen waren hinter die Höfe verlegt worden. Dem Kirchturm hatte man anstelle des gewohnten Zwiebelturms eine Spitzhaube aufgesetzt. Die Modernisierung brachte der Dorfgemeinde 1822 eine Prämierung als schönste Dorfgemeinde ein.

Panoramaansicht 1860

Öffentliche Schifffahrt, Kariol-Post und Eisenbahn-Eröffnung

Bis 1850 war Seeshaupt von der übrigen Welt nahezu völlig abgeschnitten. Mit der Jungfernfahrt des Dampfschiffes Maximilian begann am 15. März 1851 die öffentliche Schifffahrt. Seeshaupt war nun für Ausflügler erreichbar, aber auch die Einheimischen nutzten die neue Verkehrsverbindung zu den Ortschaften um rund um den Würmsee. 1857 bekam das Dorf dank des umtriebigen Rasso Vogl eine eigene Postexpedition. Mit der Kariol-Post kam man damit in die umliegenden größeren Orte, auch nach Oberammergau und Füssen.

 

Aber erst mit der Eröffnung der Eisenbahn 1865 gab es in Seeshaupt eine regelmäßige und für jedermann erschwingliche Verkehrsverbindung. Wie auch die übrigen Orte, die an der neuen Bahnstrecke Starnberg-Tutzing-Penzberg lagen, erlebte das Dorf einen beispiellosen Aufschwung. Die Bahn war ein angesehener Arbeitgeber und kurbelte durch den Güterverkehr u. a. die Holz-, Torf- und Kieswirtschaft an.

 

Vor allem aber entdeckten immer mehr Sommerfrischler das Dorf und seine reizvolle Umgebung, dazu ließen sich betuchte Bürger aus der Landeshauptstadt repräsentative Sommersitze errichten. Geschäftstüchtige Seeshaupter stellten sich auf die städtische Kundschaft ein: Aus den Kramerläden wurden Kolonialwarenhandlungen, Strandbäder wurden angelegt, Gasthäuser, Pensionen und Hotels entstanden, die Dorfbewohner bauten ihre Speicher zu Gästezimmern aus, und Handwerk und Gewerbe florierten.

Bahnhof 1902
Strandbad Lidl um 1900

Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aufstieg

Der Gasthof zur Post der Posthalterfamilie Vogl war weit über Seeshaupts Grenzen hinaus bekannt. Prominente Menschen und gekrönte Häupter stiegen hier ab. Der berühmteste Stammgast war König Ludwig II, der hier regelmäßig die Pferde wechselte, auch am Tag vor seinem Tod, am 12. Juni 1886. Um 10.30 Uhr bat er „zum letzten Mal um ein Glas Wasser“, so hat es die Posthalterin Anna Vogl in der die Familienchronik aufgeschrieben.

 

Der renommierteste Münchner, der sich in Seeshaupt ansiedelte, war der Hygieniker und Mediziner Max von Pettenkofer (1818-1901). Um 1875 ließ er sich die sogenannte Pettenkofer-Villa direkt am Seeufer bauen. Die Namen der Kunstmaler, die sich Seeshaupt um 1900 als Sommersitz erkoren, sind heute weniger geläufig wie G. A. Horst, Walther Firle, der Panoramamaler Hubert Frosch oder der Landschaftsmaler Hermann Ebers. Recht bekannt sind dagegen zwei Künstler aus dem Kreis des Blauen Reiters, die hier viele Jahre lebten und arbeiteten, Heinrich Campendonk (1889-1957) und Jean-Bloé Niestlé (1884-1942).

 

Aus dem bescheidenen Dorf Seeshaupt war in kurzer Zeit ein ländlicher Urlaubsort und attraktiver Wohnort geworden und dementsprechend gewachsen: 1880 lebten hier 371 Einwohner in 59 Häusern, 1910 waren es 121 Häuser für 631 Einwohner. Für die Schulkinder reichte der Platz im 1858 gebauten Schulhaus nicht mehr, 1905 errichtete die Gemeinde daneben das heutige „neue“ Schulhaus. Auch die Pfarrkirche war zu klein geworden. Mit der großen Erweiterung von 1909 – im Wesentlichen finanziert vom Kommerzienrat Heinrich von Dall `Armi – erhielt sie außen und innen ihre heutige Gestalt – und wieder einen Zwiebelturm. Der Kirchfriedhof wurde aufgelassen und am nordöstlichen Ortsrand ein neuer Friedhof angelegt.

 

Die evangelische Kirche stammt erst aus dem Jahr 1935. Sie ist eng mit Vikar Karl Steinbauer verbunden, dem einzigen Pfarrer aus der Bayerischen Landeskirche, der wegen seines Widerstands gegen das Dritte Reich ins KZ musste.

Hotel Alte Post um 1900

Kriegs- und Nachkriegszeiten

Aus dem Ersten Weltkrieg kamen 21 Seeshaupter nicht zurück und 16 Bürger aus der Altgemeinde Magnetsried-Jenhausen. Der Zweite Weltkrieg forderte nicht nur weitaus mehr Opfer – aus Seeshaupt 101 Männer und aus der Altgemeinde 26 Männer. Zwischen 1945 und 1946 kamen hier auch etwa 1400 Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten an, die meisten aus Schlesien. Sie alle fanden hier Zuflucht, viele nur vorübergehend, nicht wenigen ist Seeshaupt aber auch zur zweiten Heimat geworden.

 

Ein Datum hat sich besonders ins Gedächtnis der Seeshaupter eingebrannt, der 30. April 1945. An Morgen dieses Tages blieb am Bahnhof ein langer Güterzug stecken. Einmarschierende US-Truppen befreiten aus den Waggons fast 2000 KZ-Häftlinge, sie waren nach einer fünftägigen Irrfahrt aus dem Außenlager Mühldorf hier gestrandet. Die amerikanischen Soldaten brachten sie in beschlagnahmten Privathäusern und öffentlichen Gebäuden unter. Etwa siebzig KZ-Häftlinge hatten die Fahrt nicht überlebt, im Lazarett im ehemaligen Strandhotel Lido starben weitere 28 Gefangene. Zur Erinnerung an den 30. April 1945 wurde 50 Jahre später, am 30. April 1995, im Beisein vieler Überlebender aus dem KZ-Zug das Seeshaupter Mahnmal aufgestellt. Seither findet hier am Jahrestag eine Gedenkfeier statt, bei der prominente Redner wie Hans Jochen Vogel, Heiner Geißler, Theo Waigel, Renate Schmidt und andere sprachen (mehr Informationen dazu im Kapitel „Das Seeshaupter Mahnmal“).

Flüchtlingsausweis

Altgemeinde Magnetsried-Jenhausen

Seit der Gebietsreform von 1978 gehört die Gemeinde Magnetsried-Jenhausen zu Seeshaupt. Sie liegt im sogenannten Eberfinger Drumlinfeld. Mit etwa 350 Hügeln ist es das größte Gebiet im nördlichen Alpenvorland. Die charakteristischen Hügel aus Sand und Kies entstanden nach der jüngsten Würmeiszeit vor 18 000 Jahren, beim Rückzug des Isar-Loisach-Gletscher. Aus dieser Zeit stammen auch die ausgedehnten Moorflächen, aus denen jahrhundertelang Torf gewonnen wurde.

 

Der Ortsname Mangezried bzw. ein Conrad von Mangezried tauchte 1291 erstmals in einer Urkunde auf. 1752 beschrieb Franz Sales Gailler in seiner ‚Vindelicia Sacra‘ das Dorf mit seinen zwölf Anwesen. Die heutige, der Heiligen Margaretha geweihte Kirche wurde erst um 1730 gebaut. Hier stand aber schon seit mindestens 500 Jahre ein Gotteshaus. 1908 spendierte Heinrich von Dall ´Armi der Gemeinde einen neuen Pfarrhof; der renommierte Baumeister Xaver Knittl hatte das Gebäude an der Dorfstraße entworfen.

 

Jenhausen dürfte älter als Magnetsried sein, das genaue Gründungsdatum liegt wie im Nachbardorf im Dunkeln. Zehn Anwesen hat Franz Sales Gailler 1752 in seiner ‚Vindelicia Sacra‘ gezählt. Die malerisch auf einem Drumlin gelegene Mariae-Himmelfahrts Kirche wurde zeitgleich mit der Kirche von Magnetsried gebaut und beide zusammen 1734 geweiht. Schon seit 1135 gab es hier eine Kirche, vielleicht sogar schon seit dem Jahr 973, als das Chorherrenstift Habach gegründet wurde.

 

Kirche Magnetsried
Kirche Jenhausen

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